Willkommen in Bernau
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Vorausdenken macht sich bezahlt

Bürgermeister
André Stahl

Welterbe mit Zuwachs

Stand: November 2017

Versteckt im Wald kennen selbst viele Bernauer die „Bundesschule“ eher vom Hörensagen. Doch genau dieses Bauwerk wird jetzt dafür sorgen, dass die Barnim-Metropole zu einem festen Programmpunkt von Berlin-Besuchern wird.

Denn das „Bauhaus-Ensemble“ wurde bei der Sitzung des UNESCO-Komitees im Sommer 2017 im polnischen Krakau in die sehr überschaubare Liste des deutschen „Welterbes“ aufgenommen. Damit hat die „Bundesschule“ den gleichen Rang wie etwa die Museumsinsel Berlin, der Naumburger und der Kölner Dom oder die Eiszeithöhlen in der Schwäbischen Alb.
„Insgesamt gibt es in Deutschland nur 42 Stätten, die diese Bezeichnung tragen dürfen“, freut sich Bürgermeister André Stahl über diese dauerhafte Auszeichnung der markanten Anlage.

Leben und Arbeiten
Er zeigt gerne vor Ort, welche Ideen Bauhaus-Architekt Hannes Meyer dort von 1928 bis 1930 verwirklichte: „Die Internatsschüler hatten Zwei-Bett-Zimmer, was für damalige Verhältnisse extrem hohen Komfort bedeutete. Die Gebäude sind zweckmäßig, lichtdurchflutet und bilden ein Ensemble, mit dem alle Lebensbereiche abgedeckt werden. Neben der eigent­lichen Gewerkschaftsschule gibt es Lehrerhäuser sowie einen Freizeitbereich, zu dem sogar ein Schwimmbad gehört. Der großzügig angelegte Park ließ Raum, sich zu entspannen“, ist André Stahl von den Bauhaus-Gedanken sichtbar fasziniert.

Pläne in der Schublade
Dass die Stadt sich auf eine mögliche Aufnahme in die UNESCO-Liste vorbereitet hatte, zeigt, dass die Pläne für ein Besucherzentrum westlich des Gebäudes schnell bei der Hand waren.
„Dafür haben wir eine Million Euro vorgesehen. Baubeginn wird 2018 sein“, zeigt der Bürgermeister, dass man in Bernau gerne mal einen Schritt voraus ist. Das sieht man gut daran, dass bereits jetzt die Außenanlagen neu gestaltet werden. „Dazu gehört, dass die historische Betoneinfahrt wieder hergestellt wurde“, klärt Bernaus Bürgermeister auf.

Stadt der Baukräne
Mit Sicherheit wird das interessante Ensemble immer mehr Bernauer anziehen. Außerdem rechnet die Stadt damit, dass die 2 500 neuen Wohnungen bis 2020 weiterhin für einen sehr kräftigen Bevölkerungszuwachs sorgen werden. An vielen Stellen der Stadt zeugen Baukräne vom starken Wachstum und machen vorübergehend den alten Bäumen in der Stadt optische Konkurrenz. „Entscheidend für eine gute Entwicklung aus meiner Sicht ist, dass auf bereits dafür vorgesehenen Arealen gebaut wird. Das bedeutet, dass neue Häuser auf in früheren Jahren dafür beplanten Flächen entstehen, wo es oftmals aufgrund mangelnder Nachfrage oder Pleiten der Investoren nicht mehr weitergegangen war“, so Stahl.
Neben brachliegenden Baugebieten geht es der Stadt um Weiterentwicklung auf früher militärisch genutzten Flächen. Ein sehr beeindruckendes Beispiel ist das große Gelände des ehemaligen Heeresbekleidungsamts am Schönfelder Weg.

Dach aus Stahlbeton
Im Zuge der Entkernung zeigt sich der immense Aufwand, der damals betrieben wurde, obwohl es „nur“ um ein Bekleidungslager ging, dessen militärische Bedeutung eher gering war. Obwohl während der Bauzeit von 1939 bis 1942 der Zweite Weltkrieg voll im Gange war, machte man sich den Aufwand, die Dächer mit dickem Stahlbeton zu konstruieren. „Die Dachplatten waren nur Kosmetik“, erläutert der Bürgermeister.
Damit das neue Quartier, zu dem selbstverständlich eine eigene Kita gehören wird, mit allen wichtigen Medien versorgt ist, wurde entlang der kilometerlangen Anlage ein imposanter Graben mit Rohren und Leitungen ausgestattet. Diese Mammutaufgabe erldigten die Bernauer Stadt­werke. „Unter anderem werden die Bewohner der 640 Wohnungen dann von unserer umweltfreundlichen Fernwärme profitieren“, blickt André Stahl in eine nicht allzu ferne Zukunft. „Um Verkehrs­probleme zu vermeiden, wäre es gut, wenn das Gebiet eine weitere Anbindung von der Albertshofer Chaussee erhalten könnte. Das prüfen wir derzeit“, so der Bürgermeister.

Verkehrslawine im Griff?
Damit die Verkehrssituation rund um die Innenstadt Bernaus sich entspannt, bringen André Stahl und seine Mitarbeiter der Stadtverwaltung die geplanten Entlastungsmöglichkeiten auf den Weg. Als erstes wird in diesem Zuge ab 2018 die bisherige Ladestraße ausgebaut. Diese Verbindung wird die Schwanebecker Chaussee mit der Börnicker Chaussee verbinden, so dass die Breitscheidstraße entlastet wird. Zudem soll ein Netz innerstädtischer Busse für Entlastung sorgen. „Dies ist aber nur im Verbund mit dem Landkreis möglich“, erklärt der Bürgermeister, weshalb er hier erst ab 2020 mit einem Start rechnet.

Neue Schulplätze
Dass der Landkreis ein Herz für die Barnim-Metropole hat, zeigt das Engagement im Schulbereich. So ist geplant, die Kapazität der Grundschule am Rollbergeck auf vier Züge auszubauen und damit zu verdoppeln“, freut sich André Stahl. Für dieses Vorhaben sind 25 Millionen veranschlagt. Weitere Perspektiven entstehen durch den ebenfalls fest geplanten Neubau der Evangelischen Grundschule. 2017 konnte die städtische Kita „Kindergärtnerei“ eröffnet werden. Das architektonisch sehr reizvolle Gebäude würde kaum erahnen lassen, dass es darin 180 Plätze für die Kleinen gibt!

Weiteres Quartier
Die Kapazitäten werden durchaus gebraucht, da die Stadt an vielen Stellen wächst. Das ehemalige Kasernengelände an der Schwanebecker Chaussee soll ebenfalls zu einem weiteren neuen Wohnquartier entwickelt werden. „Dafür wird momentan ein Bebauungsplan aufgestellt. Teile der Gebäude werden erhalten, da sie unter Denkmalschutz stehen. Ich gehe davon aus, dass hier 2 000 neue Wohnungen entstehen können“, blickt André Stahl in die Zukunft.

Belebung der Innenstadt
Dass der Bevölkerungszuwachs zu mehr Aufgaben in der Verwaltung führt, liegt auf der Hand. Der Bürgermeister ist deshalb froh, dass es nach einer Bürgerabstimmung grünes Licht für das neue Rathaus gibt, um die Verwaltung endlich in einem zentralen Gebäude unterzubringen. Das bisherige historische Rathaus, in dem der Bürgermeister sein Büro hat, ist mit einer neuen schicken Kunststeintreppe ausgestattet.
„Die alte Holzkonstruktion war ja keinesfalls historisch, sondern stammte aus den 1990-er Jahren. Da sie ausgetreten und eine Stolperfalle war, musste sie erneuert werden.“
Im Kellergeschoss des Gebäudes tut sich ebenfalls etwas: Wenn der Ratskeller bald gastronomisch genutzt wird, kehrt wohl noch mehr buntes Leben in der Innenstadt ein. Im Sommer soll es dann eine Freiluftgastronomie mit süd­lichem Flair geben. Das wird ein weiterer Anziehungspunkt für alle, die nach der Visite beim neuen UNESCO-Welterbe einen Rundgang in die historische Innenstadt anhängen.