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Abenteuerliche Hilfe für 30 Orte: Zierliche Frau steuert Riesen-Brummis

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Cura Hominum Ukrainehilfe e.V.
Elisabeth Kunze
Telefon:0 33 38/6 64 61
Website:www.ukrainehilfe.de

Mitten durchs Krisengebiet

Stand: Dezember 2021

Geschützdonner und Panzerkolonnen kennzeichnen vielfach den Alltag im Kriegsgebiet an der russisch-ukrainischen Grenze.

Da gehört schon einiges an Mut dazu, dort Orte nahe der Front zu besuchen, um zu helfen. Eine zierliche Frau aus Lobetal hat sogar extra den Lkw-Führerschein gemacht, um ihre Mission zu erfüllen!
Elisabeth Kunze ist Begründerin und Leiterin der Ukraine-Hilfe in Lobetal. Diese erfolgt im Rahmen des „Cura Hominum e.V.“. Seit 1994 werden Menschen in der früheren Sowjetrepublik mit Lebensnotwendigem versorgt, für das Deutsche spenden.
„Wir hatten kürzlich einen Aufruf nach einem Tandem, das sich ein Ehepaar, von dem einer blind ist, gewünscht hat. Es kam schließlich von einem Spender aus Nordrhein-Westfalen“, freut sich Elisabeth Kunze.

Hunger in der Klinik
Anlass für die Gründung der humanitären Aktion war der Kontakt mit dem ukrainischen Psychiater Anatoli Gusow. Er erschütterte mit Berichten, dass in der Charkower Klinik in der Ukraine Patienten sterben, weil Nahrung fehlt. „Nachdem wir mit der Lebensmittelhilfe für seine ehemalige Station begonnen hatten, sank die Sterblichkeit dort wieder auf ein normales Maß“, ist die gelernte Physiotherapeutin aus Storkow immer noch sehr berührt.
„Das Problem war damals, dass nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion die Versorgungsstränge von einem Tag auf den anderen unterbrochen waren“, erklärt sie, warum die ehemalige „Kornkammer“ des Riesenreichs zum teilweisen Hungergebiet geworden war.

Aus Liebe nach Lobetal
Die heute 64-Jährige verschlug es aus Liebe nach Lobetal. 1980 heiratete sie Reinhard Kunze und zog zu ihm in die Ortschaft. Der gelernte Schmied hatte dort den Pflegedienst als neue Berufung entdeckt. Er machte eine Karriere zum Pflegedienstleiter. Als Vorsitzender vom Verein „Alte Schmiede Lobetal e.V.“ pflegt er die Liebe zum früheren Beruf weiter. In Bernau kamen die fünf Kinder zur Welt. Heute freut sich das Paar über mehrere Enkel.
Für die Unterstützung der Menschen in der Ukraine sind vier Teilzeitkräfte und mehr als 30 aktive Helfer im Einsatz. Darunter sind „Spezialisten“ wie Michael Römpler aus Schönow. „Er sammelt und repariert gebrauchte Fahrräder“, gibt Elisabeth Kunze Einblick.
Der Sitz der Bernauer „Ukraine-Hilfe Lobetal“ befindet sich in einem Gebäude, das einen Nachwende-Charme „ausstrahlt“, wie es in der Ukraine sicher noch öfter anzutreffen ist. Schließlich geht hier nicht ums Repräsentieren, sondern ums Helfen!

Alles nur wegen EU?
In den mittlerweile knapp 30 Jahren hat Elisabeth Kunze, die russisch fließend spricht und ukrainisch „zu 50 Prozent versteht“, die wenigen Höhen und vielen Tiefen des riesigen Landes zwischen Polen und Russland hautnah erlebt. Den aktuellen, nun schon seit 2014 andauernden Konflikt um die östlichen Grenzgebiete um Donezk und Luhansk erklärt sie sich so: „Es wird gesagt, dass es Russland unter anderem darum geht, einen EU-Beitritt der Ukraine zu verhindern. Irgendwo steht in den EU-Verträgen, dass Länder, die sich in einem Konflikt befinden, nicht aufgenommen werden können. Es ist kaum vorstellbar, dass das große Russland, das die eigene Infrastruktur in keiner Weise in Griff bekommt, ernsthaft einen Krieg führt, um sich ein in der Relation so kleines Gebiet einzuverleiben. Allerdings muss man sich hier vor einem schwarz-weißen Bild hüten. Vieles ist absolut undurchsichtig. Es wäre falsch, pauschal von einer ‚guten Ukraine‘ und einem ‚bösen Russland‘ zu sprechen.“

Problem mit Prüfsiegel
Pro Jahr werden von Bernau aus oft mehrere Dutzend vollbeladener Lkw in die Ukraine gesandt. Darin sind Hilfsgüter aller Art. Dazu gehören Kleidung, Lebensmittel und Hygienebedarf. „Vielfach gefragt sind mittlerweile Artikel für Kinder, Senioren, Behinderte und Kriegsveteranen. Für einen Rollator müssten dort drei Monatsrenten bezahlt werden. Dann fehlt das Geld aber für die Miete und fürs Essen“, weiß Elisabeth Kunze. „Sehr wichtig sind Krankenbetten und Klinikausstattung. Bei medizinischen Geräten stoßen wir aber auf ein Problem: Genau wie in Deutschland dürfen nur solche mit Prüfsiegel eingesetzt werden, da die Funktionsfähigkeit ja lebensentscheidend sein kann. Diese aufwendigen Untersuchungen können wir hier aber nicht durchführen“, zeigt sie auf.

Persönlich vor Ort
Mittlerweile hat die Lobetalerin etwa 50 Fahrten begleitet. Die Route geht an unterschiedliche Orte, die sich übers gesamte Land verteilen. „Unsere Partner sind kirchliche Gruppen, Krankenhäuser und Initiativen, die sich dort für ihre Mitmenschen einsetzen. Wir schicken Hilfsgüter in fast alle Teile des Landes. Eingeschlossen sind hier die Menschen, die an der Frontlinie zu den Separatistengebieten geblieben sind und ganz besonders Hilfe und Unterstützung brauchen.“

Abenteuerliche Fahrt
Jede Fahrt ist ein Abenteuer für sich. „Zum Glück gibt es mittlerweile eine Autobahn durch Polen, so dass diese etwa 1 000 Kilometer gut zu fahren sind. Die Grenze stellt allerdings immer noch eine uneinschätzbare Hürde dar. Es kann sein, dass man nach kurzer Kontrolle durchgewunken wird. Oft dauert es wesentlich länger, trotz der humanitären Ladung. Unnötige Wartezeiten werden mal vom polnischen, ein andermal vom ukrainischen Zoll verursacht. Kürzlich wurde sogar eine Totalinspektion angeordnet. Die dauerte einen Tag. Der Lkw wurde dabei vollständig entladen. Die Zöllner öffneten jede Kiste und kontrollierten den Inhalt. Von unserer liebevollen Verpackung und systematischen Beladung blieb da nicht mehr viel übrig“, so Elisabeth Kunze.
In manchen Fällen soll es an der Grenze massive Forderungen nach Geld oder Zigaretten gegeben haben.

Kriminelle Banden
Solche rigiden Kontrollen sind Ergebnis der Tätigkeit von Betrügern. „Es gibt immer wieder Fälle, wo unter dem gefälschten Siegel von Verbänden wie dem Deutschen Roten Kreuz normale Verkaufswaren und Markenware als angebliche humanitäre Spenden ins Land geschmuggelt werden. Damit soll der Einfuhrzoll umgangen werden“, weiß sie zu berichten. Die Folgen haben dann alle ehrlichen humanitären Helfer zu tragen.
Sie selbst hat sogar mit deutschen Beamten eine schlechte Erfahrung machen müssen. Sie hätten sie sehr von oben herab behandelt und gezwungen, mit dem Zug von Frankfurt/Oder nach Hause weiterzufahren.
Wichtig für die volle Transparenz ist der „Ukraine-Hilfe Lobetal“, dass alles exakt dokumentiert wird. So erfährt jeder, der es möchte, aktuell aus dem Internet, wie die Hilfe in der Ukraine ankommt und verwendet wird und welche Güter gerade gefragt sind.

Erstellt: 2021